Mann mit Lupe - Unter Beobachtung

Mann mit Lupe - Unter BeobachtungZum 01.03.2012 beglückt uns Goog­le mit neu­en Daten­schutz­be­stim­mun­gen. Und wie immer alles nur zum Woh­le der Nutzer 😉

Ab die­sem Tag erhal­ten wir per­so­na­li­sier­te Goog­le-Such­ergeb­nis­se, ob uns das passt oder nicht. Aus­lö­ser ist das sog. Web­pro­to­koll, das hin­ter jedem Goog­le Account geführt wird. Wie üblich, ist die­ses stan­dard­mä­ßig akti­viert. Die­ses Pro­to­koll zeich­net alle Akti­viä­ten — auch dienste­über­grei­fend — des Nut­zers auf, sofern man über einen Goog­le Account eines der Diens­te ver­fügt. Bis­her durf­ten die­se Daten nicht ver­eint wer­den, der 01. März 2012 ändert dies. Mit den neu­en Daten­schutz­be­stim­mun­gen, eine für alle Diens­te, kann Goog­le die­se Daten nun zusam­men­füh­ren. Und das ganz unab­hän­gig davon, ob es Alt- oder Neu­da­ten sind. Grund genug, die vor­han­de­nen Daten zu löschen und die Auf­zeich­nung neu­er Daten einzuschränken.

Wie das geht, ver­rät das Com­pu­ter­ma­ga­zin “Chip” in einem Arti­kel samt anschau­li­cher Bild-Anlei­tung.

Mehr Infor­ma­tio­nen zu Goo­g­les neu­en Daten­schutz­be­stim­mun­gen fin­den Sie in einem lesens­wer­ten Bei­trag von daten​schutz​be​auf​trag​ter​-info​.de

Alle Mona­te wieder

Face­book ist inno­va­tiv und beweist dies in immer kür­ze­ren Abstän­den. Es liegt bedau­er­li­cher­wei­se in der Natur der Din­ge, das bei die­sem hohen “Inno­va­ti­ons­tem­po” der Daten­schutz mal (wie­der) auf der Stre­cke bleibt. Seit eini­gen Tagen ist die Face­book Gesichts­er­ken­nung nun auch außer­halb der USA aktiv. Was steckt dahinter?

Ey, ich kenn Dich

Ganz ein­fach. Fast jeder Nut­zer hat min­des­tens ein Foto von sich auf Face­book hoch­ge­la­den. Fügt jetzt ein ande­rer Nut­zer ein wei­te­res Foto per Upload hin­zu, auf dem man selbst zu erken­nen ist, dann schlägt die Face­book Gesichts­er­ken­nung vor, die dar­auf erkann­ten ande­ren Nut­zer nament­lich zu tag­gen — und unter­brei­tet mit recht guter Tref­fer­qua­li­tät auch gleich Namens­vor­schlä­ge. Mit jedem bestä­tig­ten Vor­schlag lernt die Face­book Gesichts­er­ken­nung hin­zu und trifft immer besser.

Und wo ist jetzt das Problem?

Müßig, erneut zu wie­der­ho­len, daß die­se Funk­ti­on bei jedem Nut­zer von vorn­her­ein aktiv ist. Er selbst muss das inno­va­ti­ve Fea­ture Face­book Gesichts­er­ken­nung erst mal wie­der aus­schal­ten, wenn er die all­zu frei­zü­gi­ge Bekannt­ga­be sei­nes Kon­ter­feis nicht wünscht. Die­se von Face­book favo­ri­si­ter­te Vor­ge­hens­wei­se, Daten sei­ner Nut­zer unge­fragt frei­zu­ge­ben, bis die­se wider­spre­chen, ist nicht zum ers­ten Mal Kri­tik­punkt. Daten­schutz­recht­lich frag­wür­dig ist aber auch die Ver­fah­rens­wei­se, daß nicht der auf dem Foto “getagg­te” Nut­zer über die Rich­tig­keit der Mar­kie­rung ent­schei­det, son­dern des­sen Freunde.

Dann lass es doch

Kri­ti­kern wird in öffent­li­chen Dis­kus­sio­nen ger­ne Hys­te­rie vor­ge­wor­fen oder die Emp­feh­lung nahe­ge­legt, Face­book ein­fach nicht zu nut­zen, wenn man mit der all­zu frei­zü­gi­gen Art des Umgangs mit Nut­zer­da­ten nicht ein­ver­stan­den ist.

Die gol­de­ne Mitte

Wie so oft, wird die Lösung ein Mit­tel­weg sein. Sich den neu­en Medi­en nicht ver­schlies­sen, dabei jedoch bedacht­sam mit den eige­nen per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten (und denen von Freun­den) umge­hen und regel­mä­ßig die Pri­vat­sphären­ein­stel­lun­gen prü­fen und anpassen.

Wie stel­le ich das jetzt ab?

t3n hat eine nach­voll­zieh­ba­re Kurz­an­lei­tung zur Ver­fü­gung gestellt, wie kurz­fris­tig wie­der die Hoheit über Bild­da­ten in Face­book durch den Nut­zer zurück­ge­won­nen wer­den kann — bis zum nächs­ten neu­en gut ver­steck­ten “Fea­ture”.

Aber auch EXTRA 3 vom NDR klärt auf bekannt süf­fi­san­te Art und Wei­se über die Face­book Gesichts­er­ken­nung auf. “Klaus, die Erklärmaus, klärt auf” — auf You­tube anschau­en, schmun­zeln, nach­den­ken und handeln.

httpv://youtu.be/Kjg6wHIvnC8

Schu­len und Schü­lern sei an die­ser Stel­le die Initia­ti­ve “Daten­schutz geht zur Schu­le” des BvD nahe­ge­legt. Akti­ve Daten­schutz­be­auf­trag­te besu­chen ehren­amt­lich Schu­len und küm­mern sich um den Auf­bau einer Inter­net- und Medi­en­kom­pe­tenz der Schü­ler, und auf Wunsch auch der Leh­rer und Eltern.

Die letz­ten Tage führ­te ich eini­ge, inhalt­lich sehr ähn­li­che Gesprä­che, sowohl im beruf­li­chen als auch im pri­va­ten Umfeld. Gemein­sam hat­ten die­se stets Aus­sa­gen wie die fol­gen­den zu Ange­bo­ten im Internet:

  • Die Anmel­dung zu die­sem Dienst kos­tet nichts (u.a. Face­book, Goog­le Ser­vices etc.)
  • Die Soft­ware konn­te ich kos­ten­los nach einer Regis­trie­rung herunterladen
  • Nach­dem ich eini­ge Zusatz­an­ga­ben gemacht habe, bekam ich noch ein paar extra Prämienpunkte

Allen dahin­ter ste­hen­den Ange­bo­ten ist eins gemein­sam. Mit den “kos­ten­lo­sen” Ange­bo­ten wer­den Nut­zer ange­lockt und ver­lei­tet, so vie­le per­sön­li­chen Daten wie mög­lich preis­zu­ge­ben. Mit ent­spre­chend geschick­ter Aus­ge­stal­tung der Ange­bo­te und all­ge­mei­nen Geschäfts­be­din­gun­gen sind die­se per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten für das hin­ter dem Ange­bot ste­hen­den Unter­neh­men bares Geld wert. Sei es für ziel­grup­pen­ge­rech­te Wer­bung anhand von Merk­ma­len wie Geschlecht, Alter, Hob­bies oder sogar für die Über­las­sung der Daten an Drit­te. Ein wei­tes Feld, die­se per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten — die oft­mals für klei­ne oder ver­al­te­te Gim­micks (z.B. alte Soft­ware­ver­sio­nen) preis­ge­ge­ben wur­den — zu Geld zu machen.

Mit dem Daten­schutz und den Daten­schutz­ge­set­zen ist es hier nicht getan. Jeder ist eigen­ver­ant­wort­lich auf­ge­for­dert, sich vor der Nut­zung sol­cher Diens­te und Ser­vices Gedan­ken zu machen, wel­che Infor­ma­tio­nen er von sich preis­zu­ge­ben bereit ist, um die ange­bo­te­ne Leis­tung zu erhal­ten. Es kann nichts scha­den, sich zuvor im Web über den jewei­li­gen Anbie­ter und sei­nen Umgang mit per­so­nen­be­zo­ge­nen Daten zu infor­mie­ren — die Web­fo­ren sind voll mit Bei­trä­gen zu die­sen Themen.

Ein sehr plas­ti­scher und aus­führ­li­cher Bei­trag zu die­sem The­ma erschien bei der PC Welt online - hier gelan­gen Sie direkt zum Arti­kel “So plün­dern Unter­neh­men Ihre Privatspähre”.

Update 31.08.2010:

Lesens­wert zum The­ma und auch der aktu­el­len Dis­kus­si­on ist eben­falls der Bei­trag im Blog von Pascal90. Er schreibt unter ande­rem “Viel mehr müs­sen alle Bür­ge­rin­nen und Bür­ger in Deutsch­land ler­nen, wie man sei­ne Pri­vat­sphä­re schüt­zen kann […]”