BfDI legt Berichte vor

An diesem Mittwoch, den 17.06.2020 legte der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) seine Tätigkeitsberichte für beide Bereiche vor. Wichtige Themen darin sind unter anderem Gesundheitsdaten und Dialog in der Gesetzgebung. Die oberste Datenschutzbehörde ist derzeit mit über 250 Planstellen besetzt, in diesem Jahr sollen es über 300 werden. 

In diesem Beitrag wird zunächst nur auf den Datenschutzbericht eingegangen und hierbei einige „Schwerpunkte“ gesetzt. Die Gewichtung erhebt nicht den Anspruch repräsentativ für die inhaltliche Gewichtung des zugrundeliegenden Berichts zu sein oder auf Grund des Umfangs allen – jeweils sehr wichtigen – Themen durch Erwähnungen gerecht zu werden. 

Zu den Schwerpunktthemen gehörte insb. die Digitalisierung im Gesundheitswesen und Evaluierung der DSGVO. Kernthemen sind  

  • Alltagserleichterung und Praxistauglichkeit, 
  • Datenpannenmeldungen,
  • Zweckbindung, 
  • Data Protection by Design, 
  • Befugnisse der Aufsichtsbehörden und Sanktionspraxis, 
  • Zuständigkeitsbestimmung, Zusammenarbeit und Kohärenz, 
  • Direktwerbung,
  • Profiling und 
  • Akkreditierung. 

Ferner lag das Augenmerk auf Aspekten der Datenminimierung, Umsetzung der KI, der Einwilligung als Rechtsgrundlage  und Stellungnahmen der Datenethikkommission. 

Einige Zahlen zur Tätigkeit des BfDI 

Im Berichtszeitraum, dem Jahr 2019, wurden dem BfDI über 3.200 Beschwerden zugetragen, davon 44 nach § 60 BDSG, Direktanrufung des Bundesbeauftragten, und 44 gegen Nachrichtendienste. Über 10.000 Anliegen von betroffenen Personen / Bürgern wurden auf schriftlichem oder telefonischem Wege behandelt. Die Meldungen von Datenpannen beliefen sich auf rund 15.000. Insgesamt kam es zu 6 Verwarnungen, 8 Beanstandungen und 2 Geldbußen. 51 Besuchstermine bei Verantwortlichen wurden zur Information und Beratung genutzt, 73 weitere außerdem zu datenschutzrechtlichen Kontrollen. 

Empfehlungen des BfDI für Einrichtungen und Bürger 

10 Empfehlungen werden schriftlich ausgeführt. Dazu gehören brisante Themen wie die elektronische Patientenakte, Mailverschlüsselung und biometriegestützte Videoüberwachung. Des weiteren wurden die Umsetzungsstatus von Empfehlungen des vorigen BfDI Datenschutzberichts in 20 Punkten resümiert. 

Gremienarbeit und Gesetzgebung 

Im ersten der hier gemeinsam zusammengefassten Kapitel geht der Bericht auf die Gremienarbeit bei der DSK, der Internationalen Datenschutzkonferenz, dem Europäischen Datenschutzausschuss sowie dem Datenschutz-Ausschuss des Europarats (Konvention 108) ein. 

Im Bereich der Gesetzgebung werden u.a. die Anhebung auf 20 Mitarbeiter bei der DSB Bestellpflicht, Regelungslücken bei der Datenverarbeitung gesetzlicher Krankenkassen und die Ausstehende Anpassung des TKG moniert. Auch im Rahmen der Sicherheitsgesetzgebung – wie etwa StPOZollfahndungsdienst und der geplanten Darknet Gesetzgebung – gebe es Überarbeitungsbedarf. Auch wurde auf das ZensG 2021, das Projekt der Registermodernisierung und die Gesetzgebung im Gesundheits-­ und Sozialwesen eingegangen. 

Der BfDI Datenschutzbericht zum Thema Sicherheitsbereich 

.. behandelte u.a. den CLOUD Act über den weitreichenden Zugriff US amerikanischer Strafverfolgungsbehörden auf Daten bei Internet-Unternehmen. Stellung bezog der BfDI ebenfalls zum Vorschlag der e-Evidence-Verordnung über das geplante Recht europäischer Strafverfolgungsbehörden, Bestands, Verkehrs- und Inhaltsdaten unmittelbar bei Providern EU grenzübergreifend zu erheben sowie das Projekt „Polizei 2020“. Dabei wurden u.a. Datenspeicherungen und Transparenz der sowie Kontrollen bei Sicherheitsbehörden thematisiert. 

Zu weiteren Themen gehörten Drittstaatentransfers, auch hinsichtlich der Auswirkungen des Brexit, Standardvertragsklauseln und der Datenschutz in weiteren grundlegenden Organisationen wie Postwesen und Arbeitsämtern. 

Zusammenfassung 

Der große Umfang und das vielschichtige Spektrum der im Berichtsjahr 2019 behandelten Themen in prägnantem Dokumentationsstil machen deutlich, dass Inhalte, Neutralität und Transparenz von dieser Behörde sehr ernst genommen werden. Mit klaren Worten und aufgelockert durch Karikaturen (wie etwa auf Seite 49) Vermittelt der vorliegende Bericht Themen, die an Stammtischen gerne als Verschwörungstheorien abgetan werden, auf sachliche und konstruktive Weise. 

1st world corona measures

In unserem Beitrag vom 23.03.2020 zum Einsatz von mobilgerätebasierter Gesundheitsprävention haben wir berichtet, dass eine Corona App auch hierzulande geplant ist, sowie über Aspekte, die aus Datenschutzsicht sorgfältig zu prüfen und zu planen sind. 

Mittlerweile wurde kurz vor der geplanten Veröffentlichung eine lauffähige Version der Corona App von TÜVit geprüft und es gibt Nachholbedarf.  Gegenüber heise.de äußern die Prüfer u.a. Kritik an dem kurzfristigen Starttermin. Insgesamt habe man laut TÜVit wiederholt die (sogar kostenfreie) Prüfung angeboten und letztlich unter Zeitdruck durchführen müssen. 

Angesichts dessen, dass inzwischen eine Lockerung und Anti-„Maulkorb“-Demo die andere jagt und seit mehr als 7 Jahren die drohende SARS-Pandemie und deren Bekämpfungsmethodik bekannt ist (Bundestagsdrucksache 17/12051 aus 2012 / 2013, Seiten 5, 55 ff. ), kann man hier nicht unbedingt von einem agilen Krisenmanagement sprechen.

Sicherheitsaspekte der neuen Corona App 

Die Prüfung der Corona App erfolgte im Auftrag des BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) in Bezug auf Sicherheitsmaßgaben und Einhaltung der angekündigten Privatsphärestandards wie z.B. der Standortermittlung. 

Eine Schwachstelle bestünde laut TÜVit darin, dass Patienten zwar verschlüsselt abspeichern können, positiv auf Corona getestet worden zu sein, um etwaige Kontakte mit Infizierten zu prüfen, die genutzte Verschlüsselungslogik jedoch fehlerhaft ist. So bestehe die Möglichkeit, einen Teil der Logik ohne größere Schwierigkeiten auszulesen, um beliebig Falschmeldungen infizierter Personen zu generieren. 

Damit könnte die gesamte Datenhaltung und somit auch der angedachte Nutzen der App ad absurdum geführt werden und bewusst provozierte Fehlalarme noch größere Verunsicherung bei den Bürgern verursachen. Dieser Angriffspunkt ist in Fachkreisen seit geraumer Zeit bekannt. 

Dass man bei derlei Umsetzungen gegen destruktiv motivierte IT-Expertise nicht hinreichend aufrüstet, sondern IT-Experten wie etwa Datenschutzaufsichtsbehörden als Bremser hinstellt, wenn diese begründete Sicherheitsbedenken anmelden, ist schwer nachvollziehbar. 

Bereits vor der TÜVit Prüfung wurde der Quellcode veröffentlicht. Hier besteht insb. bei einem Multimillionen-Projekt keine Notwendigkeit. Dafür kann sich die Hackerszene schon einmal im Vorfeld einlesen. Andererseits wollte man gerade in Bezug auf die herrschenden Datenschutzbedenken mit größtmöglicher Transparenz reagieren. 

Datenschutz und Privatsphäre 

In Bezug auf die Privatsphäre lässt TÜVit Positives verlauten. Bei dem geprüften Entwicklungsstand der Corona App sei von Leaks nicht auszugehen und unerwartete Trackinglogik habe man in der Version nicht feststellen können.

Die Entwicklung und Sicherheitsdokumentation der Corona App wurde vom BSI u.a. durch Penetrationstests (Pentests) und Überprüfungen von Programmcode begleitet. Dabei konnten Schwachstellen gesichtet und seitens der Entwicklung behoben werden. Die Sicherheitsdokumentation kommt zu dem Schluss, dass die Corona App “alle für diese App zutreffenden Anforderungen aus der technischen Richtlinie TR 03161 – Sicherheitsanforderungen an Digitale Gesundheitsanwendungen” des BSI erfüllt. Und auch zukünftig wird die Weiterentwicklung der App vom BSI begleitet. Die zugehörige Pressemitteilung finden Sie hier.

Weitere Informationen zu Datenschutz- / technischen Aspekten liefert eine Studie aus dieser Woche (09.06.2020) der Unis Darmstadt, Marburg und Würzburg. 

Prüfauftrag der Corona App war limitiert 

Laut TÜVit wurde der Auftrag zur Durchleuchtung der Entwicklung auf bestimmte Bereiche begrenzt. Ausgenommen von der Prüfung waren Systemfeatures von Apple / Google und das Backend des eigentlichen Datenservers. Ferner sei die Verschlüsselungslogik für die auf dem Mobilgerät gespeicherten Daten nicht Gegenstand der Prüfung gewesen. 

Fazit zum aktuellen Stand der Corona App 

Das Vorgehen bei der Sicherheit der Corona App steht in Widerspruch zu dem Bestreben, Vertrauen in diesen Lösungsansatz zu stärken. Es stellt sich die Frage, ob nicht diejenigen, welche die Corona App gerne installieren, um sich und Mitbürger zu schützen, ohnehin mit gesundem Menschenverstand an Präventionsmaßnahmen herangehen, während anderen Anwendern ein weiterer Schritt in die Unmündigkeit vorgelegt wird, sich dann ggf. nur noch auf die App zu verlassen. 

Intransparente technische Umsetzung in Kombination mit dem Aspekt der Freiwilligkeit und mäßigem Marketing lassen an einem positiven Effekt auf Verantwortungsgefühl und Infektionsrate nach derzeitigem Kenntnisstand zur Zeit leider noch zweifeln. 

Intransparente technische Umsetzung in Kombination mit dem Aspekt der Freiwilligkeit en Effekt auf Verantwortungsgefühl und Infektionsrate nach derzeitigem Kenntnisstand zur Zeit leider noch zweifeln. 

Dashcams im Straßenverkehr und der Datenschutz

Wer hat nicht schon einmal mit einer solchen geliebäugelt? Der Komfort und die Rechtssicherheit der Dashcams, kleine Kameras hinter der Windschutzscheibe, am Lenker oder welche Vehikel auch immer bevorzugt werden, erscheinen als eindeutiges Verhältnismäßigkeitskriterium. Allerdings sind sie durchaus nicht uneingeschränkt und in jedem Land erlaubt. Was zu beachten ist, erklärt dieser Beitrag. 

Die Funktionsweise  

Dashcams sollen insbesondere das Verkehrsgeschehen und -unfälle aufzeichnen, um tatsachenwidrigen bzw. parteiischen Aussagen entgegenzuwirken und eine eindeutige Beweisführung zu ermöglichen. Dass die Videos jeden Aufgenommenen belasten können – einschließlich des Dashcam Besitzers, muss nicht gesondert erwähnt werden. Angeschlossen an die Bordelektronik und / oder per Akku sind sie in der Lage, auf Micro SD Karten im Gigabyte Bereich in Endlosschleife aufzuzeichnen. Diverse Modelle haben auch Bewegungssensoren und Infrarotsicht. 

Dashcams in der praktischen Anwendung 

Die Aufzeichnung amtlicher Kennzeichen und Personen ist eine Verarbeitung personenbezogener Daten. Das online Stellen kenntlicher Inhalte ist selbstverständlich eindeutig ein Verstoß gegen die informationelle Selbstbestimmung. Aus behördlicher Datenschutzsicht geht der Tenor dahin, dass der Betrieb von Dashcams auch dann als unzulässig zu betrachten ist, wenn kurz und anlassbezogen aufgezeichnet wird, da naturgemäß keine Informationspflichten über Zweck etc. mitgeteilt werden können. Nicht umsonst achtet man bei Videoüberwachung in Firmen und anderen Einrichtungen auf Beschilderung außerhalb des Erfassungsbereichs u.a. mit den Zwecken und den Daten des Aufzeichnenden. 

Die Kriterien einer datenschutzkonformen Videoaufzeichnung sind nicht in Stein gemeißelt, aber klar definierbar. Generell geht es um die Kenntnis der konkreten Umstände und einer sachgerechten Abwägung der Rechtsgüter. 

Auch Generell Iin Fragen der richtigen Beurteilung und der rechtssicheren datenschutzkonformen Prozessgestaltung steht Ihnen unser Team als externe Datenschutzbeauftragte und Informationssicherheitsbeauftragte zur Seite

Die Frage zur Zulässigkeit von Dashcams vor dem BGH 

In seiner Entscheidung VI ZR 233/17 vom 15.05.2018 entschied der Bundesgerichtshof, dass Dashcam-Aufzeichnungen im Unfallhaftpflichtprozess aus zivilrechtlicher Sicht verwertbar sein können. Im Einzelfall sei jedenfalls eine Interessen- und Güterabwägung vorzunehmen.  

Überwiegende Interessen beim Einsatz von Dashcams 

Grundsätzlich wird man wohl das Interesse des Dashcam Betreibers den schutzwürdigen Interessen anderer Verkehrsteilnehmer unterordnen müssen, insbesondere dann, wenn permanente und nicht anlassbezogene Aufzeichnungen vorgenommen werden. Anderenfalls wäre das Rechtsgut der informellen Selbstbestimmung gefährdet. Allerdings ist die Anwendung von Dashcams auch hinsichtlich der Verwertungsfrage weiterhin umstritten. 

Das BayLDA kündigte an, dass Übermittlungen von Dashcam-Aufzeichnungen an Polizei und Versicherungen als Verstoß gewertet und mit einem Bußgeld geahndet werden könnten. 

Europatag 2020 - Videoreihe zum Datenschutz

In einer Pressemitteilung des Landesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit Baden-Württemberg (LfDI) vom 15.05.2020 wird zum Europatag 2020 eine Videoreihe vorgestellt.

Jubiläum – 70 Jahre EU und der Datenschutz zum Europatag 2020

Der französische Außenminister Robert Schuman prägte mit dem Ausspruch, dass „Europa [..] durch konkrete Tatsachen entstehen [wird], die zunächst eine Solidarität der Tat schaffen.“ am 09. Mai 1950 das politische Bewusstsein für die Gründung der Europäische Union. Als Urheber der DSGVO wird die EU sowie der Europatag 2020 selbstverständlich auch von Datenschützern aller Herren Länder begangen und gefeiert. Anlässlich dieses – 70-jährigen – Jubiläums ehrt der Landesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit Baden-Württemberg ein zusammenwachsendes Europa auf besondere Art.

Videoreihe des LfDI

Unter dem für „LfDI“ akronymen Titel „Datenschutz – zum Luaga fir Dahoim ond Iberall“ werden in lockerer und aufschlussreicher Form Themen des Datenschutzes und der Informationssicherheit behandelt und wie europaweit geltende Regelungen in dem Bundesland umgesetzt werden.

Das aktuelle Video zum Europatag 2020

In der ersten Folge wird eine Einführung passend zum Thema Datenschutz zum Europatag 2020 in das Thema Datenschutz vermittelt mit Grundbegriffen und Tipps. Neben Erläuterungen der Begriffe personenbezogener Daten und der Verarbeitung dieser werden Sinn und Nutzen des Datenschutzes prägnant thematisiert. Letzteres ist noch nicht überall eine Selbstverständlichkeit. Die Zuordenbarkeit von Daten zu Personen wird mit Beispielen wie KFZ-Kennzeichen und Videoaufzeichnungen veranschaulicht. Tragende Grundsätze des Datenschutzes wie u.a. die nachfolgenden werden erklärt:

  • Integrität
  • Vertraulichkeit
  • Zweckbindung
  • Transparenz

Auch Rechtmäßigkeit, Rechenschaftspflichten und die Betroffenenrechte nach Artt. 15 ff. DSGVO sind Gegenstand der Betrachtung. Das Prozessprinzip Plan, Do, Check, Act sowie die Meldung von Datenpannen auf dem online Wege und die Abgrenzung von Auftragsverarbeitung und Gemeinsamer Verantwortlichkeit iSd. Art. 26 DSGVO werden dem Zuschauer näher gebracht.

Weitere Episoden zum Datenschutz

Nicht nur zum Europatag 2020, sondern generell ist dies eine vielversprechende Reihe, Anwendern und Betroffenen wichtige Aspekte des Datenschutzes und auch der Informationssicherheit in einem informativen und gut konsumierbaren Format anzubieten. Für die folgenden Videos werden detailliertere Themen wie „Löschkonzept“ und „Transparenzpflicht“ angekündigt. Adressaten der Videoreihe seien „insbesondere [..] kleine und mittelständische Unternehmen, Vereine und natürlich auch an unsere Kommunen.“

Training und Betreuung von Datenschutzexperten

Die Herausforderungen für Unternehmen und Kommunen im Datenschutz sind sehr anspruchsvoll. Rufschädigende oder kostenintensive Fehler sind schnell passiert. Wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihren Datenschutzbeauftragten. Sie haben keinen? Dann fordern Sie doch einfach ein unverbindliches Angebot für einen externen Datenschutzbeauftragten bei uns an.

gesundheitsdaten gehen an die polizei

Nun auch Sachsen-Anhalt – das Innenministerium wies die Gesundheitsämter an, personenbezogene / Gesundheitsdaten aller Personen in Quarantäne den Polizeibehörden zur Verfügung zu stellen. Die Polizei erhielt somit personenbezogene Daten über Corona-Infizierte und Kontaktpersonen.  

Offenlegung durch parlamentarische Nachfrage 

Aus den Reihen des Landtags wurde am 22.04.2020 die Enthüllung bekannt, dass der Landesinnenminister vom 27. bis 31.03.2020 eine Verpflichtung zur Bereitstellung der Daten für alle Personen in Quarantäne des Bundeslandes verfügt habe. Seitdem würden Gesundheitsämter „nach eigenem Ermessen und im Einzelfall“ Daten von Personen in Quarantäne an die Polizei übermitteln. Bis 09.04.2020 über 800 Fälle in Sachsen-Anhalt – heißt es weiter in den zugehörigen Posts auf Twitter. Eine öffentliche Information über die Maßnahme durch das Innenministerium zur Erfüllung der DSGVO-gesetzlichen Transparenzpflicht war lange Zeit nicht erfolgt. Die kommunizierten Daten hätten Namen, Anschriften, Geburtsdaten, Wohnorte, Nationalitäten, Geschlechter sowie Beginn und Ende der behördlich definierten Quarantäne umfasst. Die Übermittlung, Verarbeitung und Speicherung auf Polizeidatenbanken von Gesundheitsdaten sei „rechtlich problematisch“ und der Landesbeauftragte für den Datenschutz sei thematisch zu involvieren. Weitere ~130 solcher Übermittlungen in Halle wurden zunächst laut Angabe der Stadtverwaltung wohl gar nicht erst gezählt. 

Rechtmäßigkeitsfrage bei der Verarbeitung von Gesundheitsdaten 

Auf Anfrage hatte das Landesinnenministerium gegenüber netzpolitik.org geleugnet, dass es derlei Gesundheitsdatenübermittlungen an die Polizei gegeben hatte. Später wurde bekannt, dass Gesundheits- / personenbezogene Daten auf der Fahndungsdatenbank des Landeskriminalamts gespeichert wurden. Zu direkten Anfragen von netzpolitik.org sei seitens der Polizei nicht Stellung genommen worden. Der Erlass sei dem Landesdatenschutzbeauftragtes Sachsen-Anhalts erst auf Nachfrage zur Verfügung gestellt worden, den dieser am 31.03.2020 für rechtswidrig erklärt habe. In seiner Haut möchte man jetzt eher nicht stecken. Aus DSB-Sicht stellt sich allerdings die Frage, aus welchem Grund keine Vorabinformation erfolgte und keine Datenschutzfolgeabschätzung in fachlicher Abstimmung mit dem Landes-DSB durchgeführt worden ist. l 

Pauschale Übermittlung von Gesundheitsdaten in diversen Bundesländern 

Auch in anderen Bundesländern wurden Datenübermittlungen von Infizierten und Kontaktpersonen eingeführt. Offiziell sei Ziel der Maßnahme die Überwachung der Einhaltung der Quarantäne und Schutz der Polizeibeamten. 

Nach uns vorliegenden Informationen erklärte auch die niedersächsische Datenschutzbeauftragte Barbara Thiel die Maßnahme für ihr Bundesland als rechtswidrig. Allerdings hielt die Landesregierung an den Datenübermittlungen fest. 

Die umstrittene Praxis wurde auch in weiteren Bundesländern eingeführt. In Folge vehementer Proteste wurde diese in Bremen aufgehoben. In Baden-Württemberg wird eine DSGVO konforme Verordnung zur Datenübermittlung positiv erwartet. In Mecklenburg-Vorpommern wurde das Procedere modifiziert. Hier wird bei der Übermittlung der Gesundheitsdaten nun auf den Bedarfsfall abgestellt. Ferner soll nun die Vorgabe sein, die Daten anonymisiert und verschlüsselt an einen definierten Personenkreis im Polizeidienst zu übermitteln. Es ist begrüßenswert, dass die tragenden Standards in der Informationssicherheit neben den Datenschutzanforderungen auch bei diesem Thema sukzessive Berücksichtigung finden. 

Corona Prävention und die Verarbeitung von Gesundheitsdaten 

Es besteht ein großes Spannungsfeld zwischen Datenschutz / Grundrechten und einer effektiven Pandemiebekämpfung. Dass Menschen und Pflegepersonal, der öffentliche Dienst und andere Arbeitskräfte mit notwendigem Publikumskontakt des Schutzes bedürfen, steht völlig außer Frage. Allerdings kann als auffällig bezeichnet werden, dass gerade in solchen grenzwertigen Maßnahmen der Dialog mit den Datenschutzbehörden und auch den behördlichen Datenschutzbeauftragten aktiv vermieden wird. Gerade in solchen Zeiten darf erwartet werden, dass man sich zwecks ganzheitlicher Krisenbewältigung bereichsübergreifend abstimmt. So kann dafür Sorge getragen werden, dass die Verarbeitungen und Übermittlungen der Behörden den zwingend erforderlichen, zeitgemäßen Vorgaben des Datenschutzes sowie der Informationssicherheit / IT-Sicherheit genügen.