BfDI legt Berichte vor

An diesem Mittwoch, den 17.06.2020 legte der Bundesbeauftragte für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI) seine Tätigkeitsberichte für beide Bereiche vor. Wichtige Themen darin sind unter anderem Gesundheitsdaten und Dialog in der Gesetzgebung. Die oberste Datenschutzbehörde ist derzeit mit über 250 Planstellen besetzt, in diesem Jahr sollen es über 300 werden. 

In diesem Beitrag wird zunächst nur auf den Datenschutzbericht eingegangen und hierbei einige „Schwerpunkte“ gesetzt. Die Gewichtung erhebt nicht den Anspruch repräsentativ für die inhaltliche Gewichtung des zugrundeliegenden Berichts zu sein oder auf Grund des Umfangs allen – jeweils sehr wichtigen – Themen durch Erwähnungen gerecht zu werden. 

Zu den Schwerpunktthemen gehörte insb. die Digitalisierung im Gesundheitswesen und Evaluierung der DSGVO. Kernthemen sind  

  • Alltagserleichterung und Praxistauglichkeit, 
  • Datenpannenmeldungen,
  • Zweckbindung, 
  • Data Protection by Design, 
  • Befugnisse der Aufsichtsbehörden und Sanktionspraxis, 
  • Zuständigkeitsbestimmung, Zusammenarbeit und Kohärenz, 
  • Direktwerbung,
  • Profiling und 
  • Akkreditierung. 

Ferner lag das Augenmerk auf Aspekten der Datenminimierung, Umsetzung der KI, der Einwilligung als Rechtsgrundlage  und Stellungnahmen der Datenethikkommission. 

Einige Zahlen zur Tätigkeit des BfDI 

Im Berichtszeitraum, dem Jahr 2019, wurden dem BfDI über 3.200 Beschwerden zugetragen, davon 44 nach § 60 BDSG, Direktanrufung des Bundesbeauftragten, und 44 gegen Nachrichtendienste. Über 10.000 Anliegen von betroffenen Personen / Bürgern wurden auf schriftlichem oder telefonischem Wege behandelt. Die Meldungen von Datenpannen beliefen sich auf rund 15.000. Insgesamt kam es zu 6 Verwarnungen, 8 Beanstandungen und 2 Geldbußen. 51 Besuchstermine bei Verantwortlichen wurden zur Information und Beratung genutzt, 73 weitere außerdem zu datenschutzrechtlichen Kontrollen. 

Empfehlungen des BfDI für Einrichtungen und Bürger 

10 Empfehlungen werden schriftlich ausgeführt. Dazu gehören brisante Themen wie die elektronische Patientenakte, Mailverschlüsselung und biometriegestützte Videoüberwachung. Des weiteren wurden die Umsetzungsstatus von Empfehlungen des vorigen BfDI Datenschutzberichts in 20 Punkten resümiert. 

Gremienarbeit und Gesetzgebung 

Im ersten der hier gemeinsam zusammengefassten Kapitel geht der Bericht auf die Gremienarbeit bei der DSK, der Internationalen Datenschutzkonferenz, dem Europäischen Datenschutzausschuss sowie dem Datenschutz-Ausschuss des Europarats (Konvention 108) ein. 

Im Bereich der Gesetzgebung werden u.a. die Anhebung auf 20 Mitarbeiter bei der DSB Bestellpflicht, Regelungslücken bei der Datenverarbeitung gesetzlicher Krankenkassen und die Ausstehende Anpassung des TKG moniert. Auch im Rahmen der Sicherheitsgesetzgebung – wie etwa StPOZollfahndungsdienst und der geplanten Darknet Gesetzgebung – gebe es Überarbeitungsbedarf. Auch wurde auf das ZensG 2021, das Projekt der Registermodernisierung und die Gesetzgebung im Gesundheits-­ und Sozialwesen eingegangen. 

Der BfDI Datenschutzbericht zum Thema Sicherheitsbereich 

.. behandelte u.a. den CLOUD Act über den weitreichenden Zugriff US amerikanischer Strafverfolgungsbehörden auf Daten bei Internet-Unternehmen. Stellung bezog der BfDI ebenfalls zum Vorschlag der e-Evidence-Verordnung über das geplante Recht europäischer Strafverfolgungsbehörden, Bestands, Verkehrs- und Inhaltsdaten unmittelbar bei Providern EU grenzübergreifend zu erheben sowie das Projekt „Polizei 2020“. Dabei wurden u.a. Datenspeicherungen und Transparenz der sowie Kontrollen bei Sicherheitsbehörden thematisiert. 

Zu weiteren Themen gehörten Drittstaatentransfers, auch hinsichtlich der Auswirkungen des Brexit, Standardvertragsklauseln und der Datenschutz in weiteren grundlegenden Organisationen wie Postwesen und Arbeitsämtern. 

Zusammenfassung 

Der große Umfang und das vielschichtige Spektrum der im Berichtsjahr 2019 behandelten Themen in prägnantem Dokumentationsstil machen deutlich, dass Inhalte, Neutralität und Transparenz von dieser Behörde sehr ernst genommen werden. Mit klaren Worten und aufgelockert durch Karikaturen (wie etwa auf Seite 49) Vermittelt der vorliegende Bericht Themen, die an Stammtischen gerne als Verschwörungstheorien abgetan werden, auf sachliche und konstruktive Weise. 

1st world corona measures

In unserem Beitrag vom 23.03.2020 zum Einsatz von mobilgerätebasierter Gesundheitsprävention haben wir berichtet, dass eine Corona App auch hierzulande geplant ist, sowie über Aspekte, die aus Datenschutzsicht sorgfältig zu prüfen und zu planen sind. 

Mittlerweile wurde kurz vor der geplanten Veröffentlichung eine lauffähige Version der Corona App von TÜVit geprüft und es gibt Nachholbedarf.  Gegenüber heise.de äußern die Prüfer u.a. Kritik an dem kurzfristigen Starttermin. Insgesamt habe man laut TÜVit wiederholt die (sogar kostenfreie) Prüfung angeboten und letztlich unter Zeitdruck durchführen müssen. 

Angesichts dessen, dass inzwischen eine Lockerung und Anti-„Maulkorb“-Demo die andere jagt und seit mehr als 7 Jahren die drohende SARS-Pandemie und deren Bekämpfungsmethodik bekannt ist (Bundestagsdrucksache 17/12051 aus 2012 / 2013, Seiten 5, 55 ff. ), kann man hier nicht unbedingt von einem agilen Krisenmanagement sprechen.

Sicherheitsaspekte der neuen Corona App 

Die Prüfung der Corona App erfolgte im Auftrag des BSI (Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik) in Bezug auf Sicherheitsmaßgaben und Einhaltung der angekündigten Privatsphärestandards wie z.B. der Standortermittlung. 

Eine Schwachstelle bestünde laut TÜVit darin, dass Patienten zwar verschlüsselt abspeichern können, positiv auf Corona getestet worden zu sein, um etwaige Kontakte mit Infizierten zu prüfen, die genutzte Verschlüsselungslogik jedoch fehlerhaft ist. So bestehe die Möglichkeit, einen Teil der Logik ohne größere Schwierigkeiten auszulesen, um beliebig Falschmeldungen infizierter Personen zu generieren. 

Damit könnte die gesamte Datenhaltung und somit auch der angedachte Nutzen der App ad absurdum geführt werden und bewusst provozierte Fehlalarme noch größere Verunsicherung bei den Bürgern verursachen. Dieser Angriffspunkt ist in Fachkreisen seit geraumer Zeit bekannt. 

Dass man bei derlei Umsetzungen gegen destruktiv motivierte IT-Expertise nicht hinreichend aufrüstet, sondern IT-Experten wie etwa Datenschutzaufsichtsbehörden als Bremser hinstellt, wenn diese begründete Sicherheitsbedenken anmelden, ist schwer nachvollziehbar. 

Bereits vor der TÜVit Prüfung wurde der Quellcode veröffentlicht. Hier besteht insb. bei einem Multimillionen-Projekt keine Notwendigkeit. Dafür kann sich die Hackerszene schon einmal im Vorfeld einlesen. Andererseits wollte man gerade in Bezug auf die herrschenden Datenschutzbedenken mit größtmöglicher Transparenz reagieren. 

Datenschutz und Privatsphäre 

In Bezug auf die Privatsphäre lässt TÜVit Positives verlauten. Bei dem geprüften Entwicklungsstand der Corona App sei von Leaks nicht auszugehen und unerwartete Trackinglogik habe man in der Version nicht feststellen können.

Die Entwicklung und Sicherheitsdokumentation der Corona App wurde vom BSI u.a. durch Penetrationstests (Pentests) und Überprüfungen von Programmcode begleitet. Dabei konnten Schwachstellen gesichtet und seitens der Entwicklung behoben werden. Die Sicherheitsdokumentation kommt zu dem Schluss, dass die Corona App “alle für diese App zutreffenden Anforderungen aus der technischen Richtlinie TR 03161 – Sicherheitsanforderungen an Digitale Gesundheitsanwendungen” des BSI erfüllt. Und auch zukünftig wird die Weiterentwicklung der App vom BSI begleitet. Die zugehörige Pressemitteilung finden Sie hier.

Weitere Informationen zu Datenschutz- / technischen Aspekten liefert eine Studie aus dieser Woche (09.06.2020) der Unis Darmstadt, Marburg und Würzburg. 

Prüfauftrag der Corona App war limitiert 

Laut TÜVit wurde der Auftrag zur Durchleuchtung der Entwicklung auf bestimmte Bereiche begrenzt. Ausgenommen von der Prüfung waren Systemfeatures von Apple / Google und das Backend des eigentlichen Datenservers. Ferner sei die Verschlüsselungslogik für die auf dem Mobilgerät gespeicherten Daten nicht Gegenstand der Prüfung gewesen. 

Fazit zum aktuellen Stand der Corona App 

Das Vorgehen bei der Sicherheit der Corona App steht in Widerspruch zu dem Bestreben, Vertrauen in diesen Lösungsansatz zu stärken. Es stellt sich die Frage, ob nicht diejenigen, welche die Corona App gerne installieren, um sich und Mitbürger zu schützen, ohnehin mit gesundem Menschenverstand an Präventionsmaßnahmen herangehen, während anderen Anwendern ein weiterer Schritt in die Unmündigkeit vorgelegt wird, sich dann ggf. nur noch auf die App zu verlassen. 

Intransparente technische Umsetzung in Kombination mit dem Aspekt der Freiwilligkeit und mäßigem Marketing lassen an einem positiven Effekt auf Verantwortungsgefühl und Infektionsrate nach derzeitigem Kenntnisstand zur Zeit leider noch zweifeln. 

Intransparente technische Umsetzung in Kombination mit dem Aspekt der Freiwilligkeit en Effekt auf Verantwortungsgefühl und Infektionsrate nach derzeitigem Kenntnisstand zur Zeit leider noch zweifeln. 

gesundheitsdaten gehen an die polizei

Nun auch Sachsen-Anhalt – das Innenministerium wies die Gesundheitsämter an, personenbezogene / Gesundheitsdaten aller Personen in Quarantäne den Polizeibehörden zur Verfügung zu stellen. Die Polizei erhielt somit personenbezogene Daten über Corona-Infizierte und Kontaktpersonen.  

Offenlegung durch parlamentarische Nachfrage 

Aus den Reihen des Landtags wurde am 22.04.2020 die Enthüllung bekannt, dass der Landesinnenminister vom 27. bis 31.03.2020 eine Verpflichtung zur Bereitstellung der Daten für alle Personen in Quarantäne des Bundeslandes verfügt habe. Seitdem würden Gesundheitsämter „nach eigenem Ermessen und im Einzelfall“ Daten von Personen in Quarantäne an die Polizei übermitteln. Bis 09.04.2020 über 800 Fälle in Sachsen-Anhalt – heißt es weiter in den zugehörigen Posts auf Twitter. Eine öffentliche Information über die Maßnahme durch das Innenministerium zur Erfüllung der DSGVO-gesetzlichen Transparenzpflicht war lange Zeit nicht erfolgt. Die kommunizierten Daten hätten Namen, Anschriften, Geburtsdaten, Wohnorte, Nationalitäten, Geschlechter sowie Beginn und Ende der behördlich definierten Quarantäne umfasst. Die Übermittlung, Verarbeitung und Speicherung auf Polizeidatenbanken von Gesundheitsdaten sei „rechtlich problematisch“ und der Landesbeauftragte für den Datenschutz sei thematisch zu involvieren. Weitere ~130 solcher Übermittlungen in Halle wurden zunächst laut Angabe der Stadtverwaltung wohl gar nicht erst gezählt. 

Rechtmäßigkeitsfrage bei der Verarbeitung von Gesundheitsdaten 

Auf Anfrage hatte das Landesinnenministerium gegenüber netzpolitik.org geleugnet, dass es derlei Gesundheitsdatenübermittlungen an die Polizei gegeben hatte. Später wurde bekannt, dass Gesundheits- / personenbezogene Daten auf der Fahndungsdatenbank des Landeskriminalamts gespeichert wurden. Zu direkten Anfragen von netzpolitik.org sei seitens der Polizei nicht Stellung genommen worden. Der Erlass sei dem Landesdatenschutzbeauftragtes Sachsen-Anhalts erst auf Nachfrage zur Verfügung gestellt worden, den dieser am 31.03.2020 für rechtswidrig erklärt habe. In seiner Haut möchte man jetzt eher nicht stecken. Aus DSB-Sicht stellt sich allerdings die Frage, aus welchem Grund keine Vorabinformation erfolgte und keine Datenschutzfolgeabschätzung in fachlicher Abstimmung mit dem Landes-DSB durchgeführt worden ist. l 

Pauschale Übermittlung von Gesundheitsdaten in diversen Bundesländern 

Auch in anderen Bundesländern wurden Datenübermittlungen von Infizierten und Kontaktpersonen eingeführt. Offiziell sei Ziel der Maßnahme die Überwachung der Einhaltung der Quarantäne und Schutz der Polizeibeamten. 

Nach uns vorliegenden Informationen erklärte auch die niedersächsische Datenschutzbeauftragte Barbara Thiel die Maßnahme für ihr Bundesland als rechtswidrig. Allerdings hielt die Landesregierung an den Datenübermittlungen fest. 

Die umstrittene Praxis wurde auch in weiteren Bundesländern eingeführt. In Folge vehementer Proteste wurde diese in Bremen aufgehoben. In Baden-Württemberg wird eine DSGVO konforme Verordnung zur Datenübermittlung positiv erwartet. In Mecklenburg-Vorpommern wurde das Procedere modifiziert. Hier wird bei der Übermittlung der Gesundheitsdaten nun auf den Bedarfsfall abgestellt. Ferner soll nun die Vorgabe sein, die Daten anonymisiert und verschlüsselt an einen definierten Personenkreis im Polizeidienst zu übermitteln. Es ist begrüßenswert, dass die tragenden Standards in der Informationssicherheit neben den Datenschutzanforderungen auch bei diesem Thema sukzessive Berücksichtigung finden. 

Corona Prävention und die Verarbeitung von Gesundheitsdaten 

Es besteht ein großes Spannungsfeld zwischen Datenschutz / Grundrechten und einer effektiven Pandemiebekämpfung. Dass Menschen und Pflegepersonal, der öffentliche Dienst und andere Arbeitskräfte mit notwendigem Publikumskontakt des Schutzes bedürfen, steht völlig außer Frage. Allerdings kann als auffällig bezeichnet werden, dass gerade in solchen grenzwertigen Maßnahmen der Dialog mit den Datenschutzbehörden und auch den behördlichen Datenschutzbeauftragten aktiv vermieden wird. Gerade in solchen Zeiten darf erwartet werden, dass man sich zwecks ganzheitlicher Krisenbewältigung bereichsübergreifend abstimmt. So kann dafür Sorge getragen werden, dass die Verarbeitungen und Übermittlungen der Behörden den zwingend erforderlichen, zeitgemäßen Vorgaben des Datenschutzes sowie der Informationssicherheit / IT-Sicherheit genügen. 

corona app - flag europe

Vor allem anderen möchten wir Sie liebe Leute, liebe Leser, liebe Kunden herzlich grüßen. Wir hoffen, dass es Ihnen und den Ihrigen gut geht und dass Ihr Einstieg in das Home-Office bzw. in die  Corona bedingten Sondersituationen ok bis gut war. Abgesehen von den international schwierigen Zuständen in Pflege und Logistik – wie etwa das kollektive Maskenbasteln in Industrieländern – können insbesondere Ungewissheiten, subjektive Interpretationen und Ungenauigkeiten in Berichterstattungen dieser Tage schon ziemlich nerven. Wenn Sie also zu Corona, Corona App, Datenschutz oder Home-Office im Allgemeinen etwas schreiben möchten, nutzen Sie gerne das Kommentarfeld zu diesem Post. 

Ihr Team von a.s.k. Datenschutz. 

P.S. Wir sind gesund und munter und halten unsere Porsche Design Pyjamas modegemäß 😉 Wir freuen uns, Sie bald wieder zu sehen. Und wenn Sie sich zu Datenschutz etc. kurzfristig besprechen möchten, lassen Sie uns einfach gerne per Video Call in Verbindung treten. 

App Lösungen gegen Corona 

Um der Corona Pandemie besser Herr zu werden, sind verschiedene Ansätze für softwarebasierte Lösungen entwickelt worden, wie zum Beispiel die Konzepte DP-3T und PEPP-PT, die auf personenbezogene Daten zurückgreifen. Eine derzeit besonders prominente Variante ist das Contact Tracing, bei der man als Nutzer der zugehörigen App gewarnt wird, welche anderen App Nutzer im Umkreis x infiziert sein können. Die EU-Kommission befasst sich mit dem Thema. 

EU-Kommission zu der Verarbeitung von sensiblen Daten und der Corona App 

Der Datenschutzausschuss der EU-Kommission (EDPB) ist bestrebt, den Entwicklungsprozess von Apps und Software zur Corona Bekämpfung nach datenschutzgerechten Maßgaben zu fördern. In diesem Kontext hat der Ausschuss am Dienstag, den 21.04.2020 eine Richtlinie zum Einsatz von Ortungsdaten und Softwarelösungen / Apps, wie etwa zur personenbezogenen Kontaktnachverfolgung, herausgegeben, welche die nationalen Behörden und die Developer Einrichtungen adressiert. 

Inhaltliche Anforderungen 

Bei der Auswertung sensibler Daten und dem Einsatz von Corona Apps seien Zweckbindung, Transparenz und Datensparsamkeit unerlässlich – alles zentrale Postulate der DSGVO. In der auf Masse angelegten Analyse von Bewegungsdaten sei ein erheblicher Eingriff in die Freiheitsrechte zu sehen, daher sei hier das Prinzip der Freiwilligkeit (Abschnitt zu 2020-02) zu wahren. 

Standortdaten seien grundsätzlich nicht zu erfassen, da sie für Mitteilungen über mögliche Infektionsketten nicht benötigt würden und ferner die Aufhebung der Anonymisierung erleichterten. Ferner sei eine Datenschutzfolgeabschätzung für den Einsatz solcher Apps durchzuführen und zu veröffentlichen. 

Empfehlungen auch zu Gestaltung einer Corona App  

Die App könnte über ein zentrales Serversystem betrieben werden mit restriktiven Zugriffsberechtigungen und geräteorientierten, nativen Sicherheitsmaßgaben. Es bestand große Uneinigkeit betreffend die Frage des zentralen oder dezentralen App-Betriebs. Der Schwerpunkt solle darauf gelegt werden, dass Daten eher lokal gespeichert werden. 

Krisenbedingter Umgang mit sensiblen personenbezogenen Daten  

Die Richtlinie definiert auch Ausnahmen für den Ermessensspielraum der nationalen Behörden, im Rahmen der Gesetzgebung Ausnahmen von DSGVO-Grundsätzen zu machen. So kann etwa das Erfordernis der Einwilligung für die Verarbeitung von Gesundheitsdaten entfallen, bzw. die Rechtsgrundlage durch Wahrnehmung einer Aufgabe des öffentlichen Interesses oder die Ausübung öffentlicher Gewalt gegeben sein. 

Eine Corona App in der Praxis 

Brillante Entwicklungen wie das Contact Tracing und die KI-basierte Auswertung von Daten zur intelligenten Gesundheitsvorsorge sind als wahrer Fortschritt in der notwendigen Digitalisierung zu sehen. Dass der konstruktive Erfolg indes mit der effektiven Ausführung in allen organisatorischen Ebenen steht und fällt, beschäftigt die Datenschutzexperten weltweit. 

Fachleute wie die des EU-Ausschusses und der Datenschutzbehörde Schleswig-Holstein sehen den Erfolg dieses konkreten Projekts auch insbesondere vom Vertrauen des Anwenders in die professionelle Verarbeitung seiner Daten abhängig 

Oft wird in diesem Kontext ausdrücklich darauf hingewiesen, dass der Datenschutz weder der Pandemiebekämpfung noch der Forschung im Wege steht. 

Informationssicherheit und Datenschutz -Pannen 2019 2020

Nachfolgend die Fortsetzung des Beitrags vom 18.04.2020 zu Cyber-Angriffen und Pannen in der Informationssicherheit / im Datenschutz der letzten 12 Monate. 

Oberlandesgericht Berlin wird gehackt – Informationssicherheit fraglich 

Wer im Begriff war, ein Anliegen vor dem Oberlandesgericht von Berlin (=Kammergericht Berlin) verhandeln zu lassen, hat hoffentlich rechtzeitig davon Abstand nehmen können. Denn damit konnte er verhindern, dass sensibelste personenbezogene und juristische Informationen bei dieser historischen Datenpanne kompromittiert wurden. Hiermit wird nicht gesagt, dass es in anderen Bereichen der Berliner Verwaltung  besser um die Informationssicherheit bestellt ist. Generell ist in mangelhaft gesicherten Bereichen meistens nur die Stärke des Vermarktungs- / Sabotageinteresses potenzieller Hacker das maßgebliche Kriterium der tatsächlichen Informationssicherheit. 

Im September 2019 wurde festgestellt, dass von Systemen des Kammergerichts mit Servern verbunden war, die für die Fernsteuerung schädlicher Software typisch sind. 7 Tage später erfolgte eine Vorortprüfung durch den IT-Dienstleister T-Systems, der Emotet-Infektionen in diversen Systembereichen feststellte und weitere 14 Tage später wurde der mutmaßliche Erstinfektions-PC untersucht. Ursprung des Angriffs, wie viele Daten abgeflossen sind und seit wann, konnte nicht festgestellt werden. Lücken in der Ermittlung wurden mit Zeit- und finanziellen Aspekten begründet. Die Schadsoftware könnte über einen USB-Stick auf die Systeme gelangt sein. Die Sicherheitsroutinen des Kammergerichts erkannten die Emotet-Infiltrierung nicht. Eine Segmentierung des Netzwerks hatte man nicht vorgenommen, sodass sich die Schadsoftware ungehindert ausbreiten und über eine Fernsteuerung Daten exportieren konnte. Ferner hatte man die Dateigröße des Eventlogs dergestalt limitiert, dass die relevanten Phasen der Ereignisdokumentation bereits überschrieben waren, als mit den Untersuchungen begonnen wurde. Wiederholt wurde auf die besondere Raffinesse des Hackings hingewiesen und „Sicherheitskreise“ vermuten hinter dem Angriff organisierte Kriminalität unter Federführung des Nachrichtendienstes der russischen Regierung. Wenn James Bond das wüsste … 

Der Bericht über den Vorfall und die Untersuchungen vom September 2019 wurde auf den 23.12.2019 datiert und Ende Januar 2020 der Berliner Datenschutzbeauftragten zeitgleich mit der Veröffentlichung vorgelegt. Diese war hierüber „not amused“ und forderte, dass „ausschließlich mit dienstlichen Geräten über eine zentral zur Verfügung gestellte und ausreichend abgesicherte Infrastruktur“ Datenverarbeitungen zu erfolgen haben. 

Es ist abzuwarten, ob Konsequenzen aus dem Vorfall gezogen und die Standards der Informationssicherheit in den Verwaltungseinrichtungen der Hauptstadt einer professionellen Prüfung unterzogen werden oder ob weiterhin Sicherheitsvorfälle festgestellt / öffentlich gemacht werden. 

Bereits 2017/2018 waren Systeme des Bundestags gehackt worden, wodurch die persönlichen Twitterdaten hunderter Politiker, Schauspieler und Fernsehmoderatoren erbeutet wurden. 

2019-11 – Sicherheitslücke bei chinesischem Smartphone-Hersteller 

Bereits zum zweiten Mal innerhalb von 2 Jahren kam es zu einer Datenpanne bei dem chinesischen Smartphone-Hersteller OnePlus. Über einen nicht bekannten Zeitraum hinweg war der Zugriff auf Kundendaten für Unbefugte möglich. Betroffen seien Stamm- und Kontaktdaten der Käufer gewesen. Eine Benachrichtigung der betroffenen Personen sei erfolgt. 

2019-12 – Datenpanne bei der Lufthansa

Für Kunden der Miles & More GmbH, Tochter der Lufthansa, war es auf Grund eines mutmaßlichen technischen Problems für 40 Minuten möglich, auf personenbezogenen Daten anderer eingeloggter Nutzer der Online-Plattform zuzugreifen. Laut Lufthansa seien höchstens die Daten von 9.885 Miles & More-Kunden betroffen. Betroffene Daten waren: Stamm-, Kontakt- Kunden- und Transaktionsdaten. 

2020-02 – Vorfall in der Informationssicherheit bei Samsung 

Über den Dienst „Find My Mobile“, womit Smartphones über eine Plattform des Herstellers geortet werden, versandte Samsung an „einen kleinen Kreis“ von Nutzern eine unverständliche Nachricht. Als sich die Betroffenen in ihrem Online-Konto bei Samsung einloggten, um Ihre Login-Daten zu ändern, erhielten sie auf Grund eines Serverproblems Zugriff auf Daten anderer Nutzer. Dies umfasste Stamm- und Kontaktdaten sowie die letzten 4 Ziffern der Kreditkarten waren sichtbar. Bei Feststellung des Problems wurde der Login vorübergehend gesperrt. 

Fragen wirft allerdings der Umstand auf, dass die Nachricht auch von Nutzern empfangen wurde, die das Ortungs-Feature deaktiviert hatten. 

Diesen Monat wurde ferner bekannt, dass eine Kontaktverfolgungs-Funktionalität bereits Mitte Mai als verbindliches Update von iPhones, iPads ab iOS 13 und Android-Geräten ab Version 6 installiert wird. Im Fall von Apple voraussichtlich als gängiges Firmware-Update, bei Android voraussichtlich als Update der Google Play Services. 

Mit Installation dieser Funktion und Erlaubnis von Apple / Google wird es Behörden künftig möglich sein, Daten aus den Kontaktprofilen der Tablet- und Handynutzer auszuwerten. 

2020-03 – Massive Panne in der Informationssicherheit bei der Investitionsbank Berlin 

Durch Mitteilung der Berliner Datenschutzbeauftragten wurde Ende März 2020 eine gravierende Datenpanne der IBB bekannt. Bei der Verarbeitung der 150.000 eingegangenen Anträge auf Corona-Unterstützung trat ein Programmierfehler auf, durch den Antragstellern personenbezogene / Ergebnisdaten anderer Antragsteller angezeigt wurden. Betroffen waren Ausweis-, Bank-, Steuer- und Unternehmensdaten. 

Bei Feststellung der Datenpanne wurde das Antragsverfahren bis zur Beseitigung des Programmierfehlers pausiert.