Datenschutz 2020 - Bericht des ULD Schleswig-Holstein

Das Unabhängige Landeszentrum für Datenschutz Schleswig-Holstein hat seinen Tätigkeitsbericht 2020 für den Berichtszeitraum 2019 veröffentlicht. 

Insgesamt wurden 758 Beratungen durchgeführt und 959 Verfahren in der Zuständigkeit des ULD angelegt, davon 680 auf Grund von Beschwerden gegen Unternehmen und 279 gegen Behörden. 

Des Weiteren wurden 37 Warnungen, 26 Verwarnungen und 2 Anordnungen gegenüber Einrichtungen ausgesprochen. Auf Geldbußen wurde in dem Zeitraum 2019 verzichtet. In 26 Fällen führte man Prüfungen ohne zu Grunde liegende, anlassbezogene Beschwerden durch, 13 davon bei nichtöffentlichen Einrichtungen. 

Verletzungen von Datenschutz und Meldepflicht 

Die insgesamt 349 in Sachen Datenpannen eröffneten Verfahren stellen naturgemäß nur einen Anteil der täglich gemeldeten oder anderweitig dem ULD zur Kenntnis gelangten Datenschutz-Verletzungen dar. Ebenso naturgemäß, dass das ULD von der Dunkelziffer an Datenpannen, die nicht gemeldet, sondern im Nachhinein festgestellt werden, nicht angetan ist. 

hier würde ich als tipp ergänzen .. Daher auch in diesem Kontext der Tipp, nicht nur für unsere Kunden in Schleswig-Holstein J, den Sie von uns auch sicherlich aus Präsentationen und Vorortterminen kennen: Datenpannen immer dokumentieren und – zumindest intern an Ihren DSB – melden. Entwarnen lässt sich immer noch.  

Datenpannen – Informationssicherheit / Datenschutz 

Ebenfalls kritische Worte findet das ULD in Bezug auf das Umsetzungsniveau der Informationssicherheit. Es gebe hier noch viel Nachholbedarf, zumal Verletzungen der Informationssicherheit wie u.a. auch Cyberangriffe mangels personenbezogener Daten häufig nicht einmal in einer Meldung resultieren. 

Für eine „verantwortungsvolle Digitalisierung“ hält der vorliegende Bericht dazu an, dass sämtliche Einrichtungen das Schutzniveau in Sachen Informationssicherheit einschließlich Datenschutz auf den Prüfstand bringen mögen. Sensibilisierung der Mitarbeiter sei nicht zu vernachlässigen. 

Das ULD sah `über den Tellerrand´ 

Inspiration für Sensibilisierungen konnte man im Austausch mit einem unserer Nachbarländer erhalten: 

  • Aktionstage „Löschen/Schreddern“ 
  • „Gamification“ Ansätze von Datenschutz mit Preis (Obst/Schokoriegel) 
  • Datenschutzquiz und Datenpannensimulation 
  • anonymisiert realisierte Phishing-Tests 
  • Selbstdatenschutz mit Mehrwert für die Beschäftigten 
  • im Team produzierte Kurzvideos für Schulungszwecke  

gehörten dazu. Eine weitere Klarstellung, dass Datenschutz per se lebendig ist und unrichtigerweise manchmal als trocken und lästiges Beiwerk angesehen wird. 

Auch in Unternehmen und kommunalen Einrichtungen lassen sich solche Aktionen und Workshops durchführen. Für Anfragen und Anregungen nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf. 

Für eine Vereinheitlichung von Datenschutzstandards und Verständnisfragen sieht das ULD eine regelmäßige Kommunikation über Erfahrungen als sehr wichtig an. Im genannten Nachbarland Österreich ist dies bereits verbindliche Vorschrift. 

Informationsfreiheit und Datenschutz auf (inter)nationaler Ebene 

Das ULD stellt klar, dass auch die innerstaatliche Abstimmung unter Datenschutzbehörden auf Bundes- und Landesebene in Sachen Datenschutz und Informationsfreiheit in angemessenem Maße aufrecht zu erhalten ist. Bei der Informationsfreiheit existiere lediglich ein Gremium für die Zuarbeit der IFK. Noch seien nicht alle Bundesländer vertreten mangels entsprechender Informationsfreiheits- oder Transparenzportalen. 

Datenethik und Datensicherheit 

Die Datenethikkommission der Bundesregierung hat ein Gutachten erstellt, das sich insbesondere mit Algorithmen, KI und Big Data befasst. Betont werden unter anderem Möglichkeiten der Regulierung von algorithmischen Systemen. Das ULD fordert – weniger banal als es zunächst klingen mag – die Bundesregierung als Auftraggeberin des Gutachtens der Datenethikkommission auf, die Inhalte auswerten und in die weitere Planung einfließen zu lassen. In diesem Zusammenhang moniert das ULD ein teils inkonsistentes Agieren von Bund und Ländern für / wider eine grundwerteorientierte, zukunftsfähige Digitalisierung wie etwa Inhalte in Gesetzgebungsentwürfen, die „eine Kriminalisierung von Anbietern bestimmter datenschutzfreundlicher Techniken“ nahelegten. (§ 126a StGB). 

Man möchte eine „Chance auf bessere Sicherheit“ nicht vertan wissen. 

Die per Innenministerkonferenz 2019-06 in Planung gegebenen „Zugriffserleichterungen“ auf Messenger und Smart Home Anwendungen hält das ULD in dieser Form für nicht grundrechtsvereinbar. 

Behörden 

Die Landesdatenschutzbehörde Schleswig-Holstein fordert Behörden und sonstige öffentliche Stellen des Bundeslandes auf, einen behördlichen Datenschutzbeauftragten zu benennen und „mit den erforderlichen Ressourcen“ auszustatten,  sofern bislang nicht erfolgt. 

Handlungsbedarf sah die Landesdatenschutzbehörde bei der Weiterentwicklung von IT-Verfahren der Landespolizei. Diese müssten in der Lage sein, Auskünfte an Betroffene „umfassend und zeitnah“ zu erteilen. Unter dem Titel „Null Datenpannenmeldungen im Polizeibereich?!“ postuliert die Landesbeauftragte für Datenschutz Schleswig-Holstein, „gesetzliche Pflichten müssen ernst genommen werden.“ Auch für den Justizbereich gelte, dass Meldepflicht von Datenpannen umfassend zur Kenntnis genommen und umgesetzt werden sollte.

Schleswig-Holstein und die Kommunen seien – mit Unterstützung des ULD – in der Verantwortung einer datenschutzkonformen Umsetzung des Onlinezugangsgesetzes. 

Fortsetzung folgt ..

Öffentliche Register - wie im vorliegenden Fall das der Lobbys

Die Deutsche Gesellschaft für Politikberatung (degepol) hat eine Verwarnung wegen Datenschutzverstoßes von der Berliner Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit erhalten. In diesem Zuge erfolgte die Klarstellung, dass die Gewinnung von Daten aus öffentlichen Registern nicht zu jedem Zweck – wie etwa dem Versand personalisierter Werbung – zulässig ist. Dies hat Auswirkungen sowohl auf die werbliche Kontaktaufnahme als solche als auch auf Umfragen, die mit Hilfe solcher Informationen durchgeführt werden, im vorliegenden Fall gegenüber Lobbys.

Beschwerde durch Betroffenen aus Lobbys 

Im vorliegenden Fall waren Verbände / deren Vertreter aus dem öffentlichen Register über Lobbys des Bundestags mittels Tabellenexport in Excel angeschrieben und zu Umfragen eingeladen worden. Die zugrunde liegende Beschwerde wurde durch einen Betroffenen Lobby-Angehörigen eingegeben. 

Quellenangaben 

Die Daten aus dem Lobby-Register seien von der degepol an den Dienstleister onlineumfragen.com weitergegeben worden für den Versand von Anschreiben mit personalisierter Anrede und ohne Hinweis auf Datenquellen. Unter anderem hierin wurde ein Datenschutzverstoß gesehen. Eine Quellenangabe habe mit dem ersten Anschreiben erfolgen müssen und wurde auch in der verlinkten Datenschutzerklärung vermisst – so die Datenschutzaufsicht.  

Namen von Lobbyisten

Die Berliner DSB zog ein berechtigtes Interesse der Deutschen Gesellschaft für Politikberatung in Zweifel, nach dem diese die Daten zur Anfertigung einer „aussagekräftigen Studie“ zu Honorarzahlungen in der Lobbywelt Deutschlands für erforderlich hielt. Ferner wurde moniert, dass in diesem Zusammenhang Namen Angehöriger von Lobbys ohne Notwendigkeit verarbeitet worden seien.

„Weitere aufsichtsrechtliche Mittel“, auch für einen Wiederholungfall, schloss die Datenschutzbehörde nicht aus. Generell gesprochen kann es sich bei solchen etwa um Vor-Ort-Prüfungen, die Anordnung von Maßnahmen oder die Verhängung von Bußgeldern handeln, um einige Befugnisse der unabhängigen Datenschutzbehörden zu nennen.

Register des Bundestags 

Der Bundestag hat bisher kein verbindliches Verzeichnis hierzu herausgegeben. Das Register des Bundestages über Lobbys umfasst momentan über 2300 Einrichtungen, „die eine Aufnahme von sich aus beantragt“ hätten, um ihre Tätigkeiten damit transparent machen zu wollen. 

Sicher auch aus Datenschutzsicht eine begrüßenswerte Intention. 

Social Distancing

In Zeiten von Notlagen muss man auch manchmal zu kreativen Maßnahmen greifen. Doch ein kurzfristig geplanter Gesetzesentwurf ruft teils kritische Reaktionen hervor, wie die derzeit geplante Handyortung zur Corona-Bekämpfung.

… zurecht oder nicht? Lassen Sie es uns wissen – in der Kommentarbox.

Handyortung über Provider

Genauigkeit der Handyortung über Funkmasten bestenfalls 100 Meter im Radius
Handyortung über Funkmasten

Laut Gesetzesentwurf des Bundesgesundheitsministeriums soll den Gesundheitsbehörden das Recht eingeräumt werden, Kontaktpersonen von Infizierten mittels Handyortung nachvollziehen und zeitsparend kontaktieren zu können. Informationsquelle sollen hierfür die diversen Mobilfunkanbieter sein. Standortdaten der Kontaktpersonen sollen Aufschluss über den Aufenthaltsort geben.

Bundesdatenschutzbeauftragter äußert Skepsis

Vor wenigen Stunden äußerte der Bundesdatenschutzbeauftragte Ulrich Kelber in einem  Twitter Beitrag Bedenken zur Wirksamkeit der geplanten Maßnahme. „Alle Maßnahmen der Datenverarbeitung“ hätten laut Kelber die öffentlich-rechtlichen Schlüsselkriterien der Erforderlichkeit, Geeignetheit und Verhältnismäßigkeit zu erfüllen. „Bisher“ fehle „jeder Nachweis, dass die individuellen Standortdaten der Mobilfunkanbieter einen Beitrag leisten könnten, Kontaktpersonen zu ermitteln, dafür sind diese viel zu ungenau.“ Anders stelle sich dies bei entsprechender Analyse von Bewegungsströmen in anonymisierter Form dar. Auf der Basis von Funkzellen Handyortung ist lediglich ein Radius von allenfalls 100 Metern erfassbar. In ländlichen Regionen können es durchaus mehrere Kilometer sein. Also alles viel zu ungenau, um potentielle Kontakte möglicher Infizierter ausreichend konkret aus der Datenmenge herausfiltern zu können. Im Rahmen der Ressortbeteiligung war die oberste Bundesbehörde für Datenschutz und die Informationsfreiheit BfDI beim Entwurf des Infektionsschutzgesetzes involviert.

Alternative der freiwilligen Nutzung

Gemeinsam gegen das Coronavirus per freiwilliger App möglich
Freiwillige Handyortung mittels App

In Italien ist sie bereits im Einsatz – die App-Lösung zur Ortung potenziell Infizierter Kontaktpersonen. Für Deutschland befindet sich das hier bekannteste Projekt derzeit noch in der crowdfunding Phase. Die Aktivierung der Geräte von freiwilligen Testpersonen in der Beta-Phase soll Ende diesen / Anfang kommenden Monats erfolgen.

Auf anonymisierter und freiwilliger Basis soll es den Handynutzern möglich sein, präziser geortet und kontaktiert zu werden als dies durch die reine Auswertung von Verkehrsdaten zur Ermittlung vom Standort möglich erscheint.

In Südkorea sind solche Modelle bereits im Kampf der Eindämmung eingesetzt worden. Dort stabilisiert sich die einst massiv eskalierende Lage. In einem Beitrag der BBC unterstreicht die Außenministerin im Kampf gegen das Virus und mit panikbedingten Problemen die Notwendigkeit schneller behördlicher Entscheidungen und zugleich, diesen wissenschaftliche Erkenntnisse und Beweisbares zu Grunde zu legen.

Allerdings ist der Erfolg von freiwilligen Präventionsmaßnahmen auch stets von der individuellen Einsichtsbereitschaft abhängig, die im Rahmen der Coronapandemie mancherorts täglich Anlass zur Besorgnis zu geben scheint. Dies wurde gerade durch die Notwendigkeit zur Verschärfung bzw. Einführung einer bundesweiten Ausgehbeschränkung (wohlgemerkt nicht Ausgangssperre) am 22.03.2020 erneut deutlich.

Stand Sonntagabend 22.03.2020

Infolge deutlicher Kritik wurde davon abgerückt, den Gesetzentwurf bereits am 23.03.2020 ins Bundeskabinett zu geben. So lauten übereinstimmende Agenturmeldungen. Man wolle vorerst auf Handyortung verzichten und einen betreffenden Gesetzentwurf nun bis Ostern überarbeiten. Näheres dazu in einem Tagesschau Beitrag vom Sonntagabend.

Fazit und Hinweise zur geplanten Handyortung

Die Risiken eingreifender Normen wie etwa der geplanten Handyortung entstehen nicht per se aus dem Rechtseingriffs als solchem, sondern aus dem Missbrauchspotenzial in der täglichen Anwendung. Im Eifer des Gefechts kann erfahrungsgemäß nicht gänzlich ausgeschlossen werden, dass Fehler passieren, die Neugier bei dem einen oder anderen sich durchsetzt oder u.U. sogar vereinzelt gezielt manipuliert wird.

Umso wichtiger sind technische und organisatorische Maßnahmen (TOM) auch bei Erlass solcher Gesetze, wie

  • das Personal bei der Auswertung von und dem Umfang mit den auszuwertenden Standort Daten lückenlos und fachlich fundiert zu schulen,
  • auf diese Weise sicherzustellen, dass die Daten ausschließlich in dem Kontext der bezweckten Verarbeitung verbleiben und nicht auf Zuruf offengelegt werden, wie dies immer wieder – etwa in Telefonaten anfragender, vermeintlich autorisierter Stellen – vorkommt,
  • detaillierte und technisch verbindlich umgesetzte Berechtigungskonzepte zu etablieren,
  • auf diese Weise den Personenkreis, die Zugriff auf die Daten haben, in einem konkreten und stets überschaubaren Rahmen zu halten und dies auch zu protokollieren / zu prüfen,
  • den Anwender transparent zu informieren, ohne die ordnungsgemäße Verfolgung der Einsatzzwecke zu untergraben.
Checkliste

Die Landesbeauftragte für Datenschutz und Informationsfreiheit Nordrhein-Westfalen (LDI NRW) hat ein Online-Meldeformular für Datenpannen nach Art. 33 DSGVO auf die Webseite der Behörde gestellt.

Das Online-Formular löst das bisherige Meldeformular für Datenpannen ab. Neben der nun komfortableren elektronischen Erfassung und Übermittlung erhält der Absender direkt nach Absenden des Formulars eine Eingangsbestätigung sowie das Aktenzeichen der Meldung mitgeteilt. In Verbindung mit dem Aktenzeichen und dem Datum der Meldung können im Anschluss bei Bedarf noch ergänzende Meldungen zur Datenpanne vorgenommen werden. Auch ein Export der Meldung im PDF-Format ist möglich.

Die Meldepflicht ans das LDI NRW besteht für nicht-öffentliche Stellen (Unternehmen, Vereine) mit Sitz in Nordrhein-Westfalen nach Art. 33 Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO), sowie für öffentliche Stellen (Behörden, Kommunen) gegebenenfalls in Verbindung mit § 59 Datenschutzgesetz NRW.

Das Online-Formular zur Meldung von Datenpannen in Nordrhein-Westfalen finden Sie zusammen mit einer FAQ und einer Anleitung zum Ausfüllen auf der Webseite des LDI NRW (direkter Link).

01.03.2020: Damit ging es los

Am 01.03.2020 haben wir nach eingehender interner Beratung im Team unsere Kunden dahingehend informiert, ab sofort bis auf Weiteres keine Außendienst-Aktivitäten bzw. Vor-Ort-Besuche mehr durchzuführen. Als Vielreisende wäre das Risiko recht hoch gewesen, uns selbst zu infizieren und möglicherweise bis zur Feststellung der Infektion noch viele weitere Menschen mit anzustecken. Diese Entscheidung hat uns vor nunmehr 2 Wochen einige grenzwertige Kommentare und teilweise auch ein bemitleidendes Lächeln eingebracht. Mittlerweile steht fest, wir haben zum Schutz unserer Mitarbeiter und deren Familien, aber auch unserer Kunden frühzeitig und richtig gehandelt. Wir wollen nicht verschweigen, es gab auch einige wenige Stimmen der Zustimmung und auch des Respekts, einen solchen Schritt durchzuziehen. Vielen Dank an dieser Stelle noch mal ausdrücklich dafür.

Alle Mitarbeiter der a.s.k. Datenschutz dürfen und können seither von zu Hause aus arbeiten. Die Anforderungen an die täglich zu erbringende Arbeitszeit sind auf unbestimmte Zeit aufgehoben. Und die Betreuung von Kindern und anderen hilfsbedürftigen Familienangehörigen hat vor dem Tagesgeschäft immer Vorrang. Die dafür notwendigen Freiräume kann sich jedes Teammitglied bei uns ohne Ab- bzw. Anmeldung nehmen.

Jetzt sind wir aufgrund unserer Unternehmensstruktur und Größe, aber auch unserer stark von Digitalisierung geprägten Arbeitsweise und einem unter anderem für Pandemien erstellten Notfallplan auf einen solchen Schritt gut vorbereitet gewesen. Wir sind mobiles Arbeiten gewöhnt, das technische Equipement ist vorhanden und für alle Mitarbeiter identisch. Schon immer haben wir auf eine moderne Projektplattform zur gemeinsamen Bearbeitung und Dokumentation von Aufgaben mit unseren Kunden gesetzt. Und mit Zooms sowie Microsoft Teams stehen zwei gerne und oft genutzte Videokonferenzplattformen zur Verfügung, über die auch ohne vor Ort zu sein, wichtige Angelegenheiten und Themen von Angesicht zu Angesicht, einzeln oder in Gruppen besprochen werden können. Die ersten Tage waren etwas holprig. Gerade für Kunden, die bisher mit dem Thema Videokonferenz keine Erfahrungen hatten oder generell „fremdeln“. Doch mittlerweile hat auch das sich neben Telefon und Email als alltägliches Kommunikationsmedium eingespielt. Ein kleiner Einblick in unsere Umsetzung und Erfahrungen:

Technik und Organisation im Home Office

Damit auch die Themen Datenschutz und Informationssicherheit in dieser Sondersituation nicht zu kurz kommen, haben wir uns unter anderem um folgende Punkte gekümmert bzw. deren Aktualität geprüft, wenn schon vorhanden:

  • Verschlüsselung aller Datenträger in mobilen Geräten und festen Arbeitsplätzen (wird bereits bei Beschaffung und Inbetriebnahme vorgenommen)
  • Installation und Einrichten von VPN auf allen Geräten (ebenfalls bereits bei Beschaffung und Inbetriebnahme erledigt)
  • Absicherung aller Accounts (intern und extern sowie auf den Geräten) neben Benutzername und Passwort mit Zwei-Faktor-Authentifizierung (Bestandteil der Account-Einrichtung)
  • Prüfen der Funktionsfähigkeit lokaler Backups via TimeMachine auf verschlüsselte externe SSD sowie zusätzlicher Backup-Routinen auf NAS-Systeme im Home Office (wird bei Erstkonfiguration bereits eingerichtet, mittels Fernwartung regelmäßig überprüft, ob alles sauber läuft)
  • Sicherstellen der automatischen Bildschirmsperre nach 2 Minuten (das Thema manuelles Sperren haben wir in einer Teamsitzung noch mal angesprochen)
  • Alle (mobilen) Geräte sind mit Sichtschutzfolien ausgestattet. Hilfreich für den häufigen Fall, das im Home Office kein separater Raum für die Tätigkeit vorhanden ist.
  • Richtlinie bzw. Regelungen zur Nutzung mobiler Arbeitsplätze bzw. Home Office (wird bei Einstellung erledigt). Wer hier noch nichts hat, RA Schwenke hat dazu einen recht flexiblen Generator erstellt 
  • Regelungen zum Datenschutz im Home Office, sofern nicht in der zuvor genannten Regelung bereits enthalten (wird bei Einstellung erledigt). Der Ihnen sicher bekannte „Datenschutz-Guru“ Stephan Hansen-Oest hat hier gerade ein Muster online gestellt, für diejenigen, die noch Bedarf haben 
  • Verpflichtung Datenschutz für Mitarbeiter (wird bei Einstellung erledigt)
  • Schredder mit ausreichender Sicherheitsstufe für die Home Offices (wird normalerweise bei Einstellung erledigt, aber es hat uns doch glatt ein Gerät gefehlt)
  • Setzen von Prioritäten wie Bearbeitung von Datenpannen bei Kunden über separate Hotline-Nummer

Bei der Gelegenheit haben wir unsere Richtlinie zum Umgang mit Sicherheitsvorfällen aktualisiert, da dort das Thema Home Office bisher nicht konkret benannt wurde.

Seit 2 Wochen machen wir damit bereits sehr gute Erfahrungen. Bei dem einen oder anderen Kunden kommt es bei Videokonferenz noch zu Anlaufschwierigkeiten, da die Ports gerne mal in der Firewall gesperrt sind. Da hier sowohl für Zooms als auch Teams gute Anleitungen im Netz bereitstehen, ist das jedoch schnell gelöst.

Wer sich noch etwas weiter mit dem Thema befassen will, dem sei der BSI IT-Grundschutz nahegelegt. Unter anderem der Baustein OPS 1.2.4 Telearbeit umfasst eine gute Übersicht an Maßnahmen, die für die Einrichtung und den Betrieb von Home Office eine gute Grundlage bilden. Binden Sie auch Ihren Datenschutzbeauftragten und Informationssicherheitsbeauftragten ein, selbst wenn es jetzt vielleicht schnell gehen muss.

Soziale Aspekte des Home Office

Um die sozialen Aspekte im Team nicht zu kurz kommen zu lassen und damit auch niemand im Home Office vereinsamt, nutzen wir selbst intern ebenfalls sehr rege Chat und Videokonferenz. Wir haben spaßeshalber auch eine kleine Home Office Etikette erstellt:

  • Aufstehen, Zähne putzen, Kaffee. Hilft das nicht, dann noch mehr Kaffee
  • Am Heimarbeitsplatz ist eine gebügelte Jogginghose Pflicht
  • Pyjama ist nur mit Einhorn-Glitter oder Superman-Aufdruck zugelassen
  • Im Falle des Pyjama sollte Videokonferenz nur intern genutzt werden
  • Sofern einen die Familie zu Hause nicht auf Trab hält, gelegentlich mal aufstehen, sich bewegen, Pause machen
  • Achtung: Wenn Bewegung heißt Haus verlassen, dann noch mal prüfen, ob der Pyjama richtig sitzt
  • Wer das Wort „Hamstern“ sagt, muss 10 Liegestütze vor laufender Kamera machen. Alternativ Lapdance.

Fazit

Wir sind uns bewußt, das wir aufgrund unserer Tätigkeitsfelder für eine solche Vorgehensweise Vorteile gegenüber vielen anderen Organisationen haben. Gerade Einrichtungen aus dem Bereich der öffentlichen Versorgung können ihre Mitarbeiter nicht einfach ins Home Office schicken.

Home Office ist jedoch machbar. Der aktuelle Stand der Technik erlaubt ein sicheres Arbeiten von zu Hause aus. Vielleicht können wir mit dem kurzen Einblick in unsere Vorgehensweise die eine oder andere Anregung und Tipps liefern, wie und was – auch kurzfristig – umsetzbar ist und auf was man so alles achten sollte (ohne Anspruch auf Vollständigkeit und sicher nicht auf jede Organisation 1:1 anwendbar). Denn auch wenn „Ausnahmezustand“ herrscht: Die Themen Sicherheit, Datenschutz aber auch das menschliche Miteinander sollten nicht zu kurz kommen.

Danke an all die fleißigen und unermüdlichen Helfer, die aktuell überall für den Rest der Gesellschaft die Stellung halten, sei es im Gesundheitswesen, im Handel, der Versorgung, öffentliche Sicherheit und und und … Ohne sie wären wir alle aufgeschmissen.